Fallstudie – Qualitätsmanagement in der Möbelindustrie ISO 9001

Fallstudie – Qualitätsmanagement

Branche: Möbelbranche

Unternehmen: Möbelindustrie

Mitarbeiteranzahl: 200

Problem: Schwachstellen wegen Prozessen

Lösung: ISO 9001 für den kontinuierlichen Verbesserungsprozess, um die Kundenanforderungen bzw. Anforderungen an die Produkt- und Dienstleistungsqualität zu erfüllen.

Fallstudie zur Umsetzung der ISO 9001 in der Möbelproduktion

 

In diesem einfachen Beispiel wird Ihnen geholfen, die Herausforderungen der Implementierung von ISO 9001 in einer kleinen oder mittelständischen Möbelproduktionsfirma verständlich zu machen und einige Inspirationen zu Ihrem Implementierungsprojekt zu geben.

 

Fallstudie

Das Unternehmen begann vor zehn Jahren als kleiner Betrieb und ist seitdem auf 200 Mitarbeiter angewachsen und es hat geschafft 90% seiner Produkte in ausländische Märkte, insbesondere Japan und Schweden zu exportieren. Mit solch einem erheblichen Wachstum verursachte es zahlreiche Probleme bei der Verwaltung des Unternehmens und eine Zunahme von fehlerhaften Produkten und Kundenbeschwerden. Angesichts der Gefahr, seine Kunden im Ausland zu verlieren und die Kosten für die Beseitigung von Abweichungen zu erhöhen, führten sie zur Umsetzung von ISO 9001.

 

Planungsphase

Ermittlung des Kontextes der Organisation - Die wachsende Nachfrage von ausländischen Kunden führte zu einem Anstieg der Produktion und der Einstellung neuer Mitarbeiter jedes Jahr, aber der CEO sieht  keinen Nutzen für Verwaltungsangestellte. Alles was er gebraucht hat sind Arbeiter, die an den Maschinen arbeiten und Möbel herstellen. Die schlechte Einstellungspolitik führte zu einem Mangel an qualifiziertem Personal und dem mittleren Management in der Firma, so dass das Unternehmen eine einfache und ineffektive Unternehmensstruktur hatte, mit einem Mangel an Humanressourcen im Mittelmanagement.

Identifizierung von Interessenten und deren Anforderungen - Wie bereits erwähnt, exportiert das Unternehmen vor allem nach Schweden und Japan. Der schwedische Kunde hatte einfache Anforderungen und es wurde vor allem auf die Qualität der Oberflächen und des Holzes geachtet. Allerdings erforderte der japanische Kunde Stühle und Tische für Kindergärten, so dass er strengere Anforderungen an die bei der Produktion verwendeten Materialien hatte, (z. B. wird Gummi aus Japan geschickt und es wurde verlangt, dass Bolzen aus Dänemark importiert werden). Alle diese Anforderungen, zusammen mit den örtlichen Gesetzen für den Arbeitsschutz und die Entsorgung von Chemikalien, werden bei der Festlegung der interessierten Parteien und ihrer Anforderungen berücksichtigt. Für jede Anforderung wird eine Reihe von Kontrollen während des gesamten Produktionsprozesses implementiert.

 

Leitung - Um dem Mangel an Mid Management zu begegnen, engagierte das Unternehmen zwei Produktionsmanager mit bisheriger Erfahrung in der Möbelindustrie und mit ISO 9001.Sie haben bei der Festlegung des Produktionsprozesses mit der Definition von Rollen und Verantwortungen innerhalb des Prozesses geholfen. Die Mitarbeiter, die dabei arbeiteten waren erleichtert, denn jetzt wussten sie genau, was von ihnen erwartet wurde.

 

 

Durchführung

Anforderungen an Produkte - Eines der größten Probleme im Unternehmen war das völlige Fehlen jeglicher Dokumentation und Dokumentationsmanagement. Anstatt die Zeichnungen und die Produktspezifikationen zu verwenden, hatten sie eine Probe von jedem Produkt und nahmen Messungen, um neue Produkte zu produzieren. Das Unternehmen kaufte sogar die modernste CNC-Maschine, aber ohne digitale Zeichnungen der Produkte konnte diese nicht richtig benutzt werden. Der Ingenieur, der zuvor eingestellt wurde verstand die Notwendigkeit der Systematisierung der Dokumentation und der Digitalisierung der Zeichnungen, aber da er die einzige Person im mittleren Management war, fand er nie die Zeit diese zu vervollständigen.

Produktionsprozess – Menschen die in der Produktion arbeiten waren hochqualifiziert, aber schlecht verwaltet. Ohne genaue Vorgehensweisen und Arbeitsanweisungen waren sie nie sicher, was sie tun mussten und waren oft auf die Wünsche des CEOs und nicht auf Stellenbeschreibungen angewiesen. Die Erstellung eines dokumentierten Verfahrens für die Produktion hat dazu beigetragen, alle Aktivitäten in dem Prozess zu definieren und den Prozess unter Kontrolle zu bringen. Die Handhabung von Kundeneigentum war eines der größten Schwächen, vor allem im Fall des japanischen Kunden. Das Gummi und die Bolzen, die in den Produkten verwendet werden mussten, wurden oft verlegt und die falschen Teile wurden in das Produkt integriert, was zu vielen Abweichungen und Beschwerden führte. Dieses Problem wurde auch mit dem Herstellungsverfahren behandelt.

 

Kontroll- und Handlungsphasen

Monitoring, Messung, Analyse und Auswertung - Auf die Frage, was gemessen wurde und wann, war die Antwort in der Regel "wenn nötig". Es gab keine strengen und genauen Anweisungen, was  und wann überwacht und gemessen werden sollte. Die Mitarbeiter vertrauten meistens auf ihre Erfahrung. Nach Prüfung der Produktzeichnungen legte der Ingenieur die Werte des Drucks in der Presse und den Druck und die Dauer, die zum Verkleben verschiedener Teile von Produkten angewendet wurde fest. All diese Informationen wurden auch dem Herstellungsverfahren und den Arbeitsanweisungen hinzugefügt. Am Ende des Produktionsprozesses hatten sie eine einfache Qualitätskontrolle, bei der ein Mitarbeiter die Produkte ansah, um Mängel und Fehler zu identifizieren, aber oft wusste er nicht wo er hinschauen sollte und welche Anforderungen das Produkt erfüllen musste. So wurde für jede Art von Produkt eine Checkliste für die Inspektion erstellt, die besonders wichtig war, um die Anforderungen des japanischen Kunden zu erfüllen.

 

 

Umgang mit Abweichungen und Kundenbeschwerden - Identifizierte Nichtkonformitäten wurden nie analysiert und anstatt die Ursache zu beseitigen, wurde einfach ein neues Produkt hergestellt. Das Schlimmste war der Umgang mit Kundenbeschwerden, denn die Produkte wurden weit weg versendet und konnten nicht repariert werden sondern nur ersetzt werden, so dass jede Beschwerde einen riesigen Verlust für das Unternehmen bedeutete. Die Umsetzung eines Prozesses für die Verwaltung von Abweichungen und Korrekturmaßnahmen war für das Unternehmen sehr vorteilhaft, weil sie später die Fehler des Klebeprozesses entdeckten und weitere Abweichungen verhindern konnten.

 

 

Bewusstsein ist der Schlüssel

Das hier erwähnte Unternehmen kämpfte lange mit seinen Problemen und obwohl es von außen erfolgreich aussah, war es am Rande des Zusammenbruchs. Ein großer Personalmangel mit einem Mangel an Prozesskontrolle könnte diese schöne Geschichte in eine Tragödie verwandeln. Das Spitzenmanagement erkannte jedoch, dass sich diese Dinge ändern mussten und sie ergriffen ISO 9001 als Werkzeug zur Überwindung ihrer Herausforderungen. Den meisten Unternehmen, die ISO 9001 implementieren fehlt dieses kleine Detail, die Achtsamkeit der Top-Management Etage. Ohne sie können keine tief greifenden Veränderungen und keine Verbesserungen in der Firma gemacht werden, unabhängig von ihrem Erfolg und aktuellem Zustand.